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Ausführlicher Bericht vom VISION SUMMIT 2008: Yunus-Impuls von Social Business als Weg zu einer weltweiten sozialen Marktwirtschaft

Kongress in Berlin mit 1.000 Teilnehmern setzte Startpunkt für eine neue weltweite Bewegung mit ähnlich starken Ambitionen wie einst die Ökobewegung. Impulsgeber und bestes Vorbild für Social Business ist Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus

Der Vision Summit 2008 nahm sich Großes zum Ziel: Er wollte mit dem Konzept von "Social Business" den Startimpuls für eine neue weltweite Bewegung setzen. Die 1.000 Teilnehmer, die am 1./2. November aus allen gesellschaftlichen Sektoren nach Berlin in die Freie Universität kamen, gaben unisono das Feedback: Dies war wohl tatsächlich der Auftakt einer großen neuen Bewegung, durch die die chronischen Antagonisten Wirtschaft und Soziales zu wechselseitigen Antriebskräften bester sozialer Entwicklung und bester wirtschaftlicher Entwicklung gleichzeitig werden. Ganz im Gegenteil zum allgemeinen pessimistischen Trend in der gegenwärtigen Weltfinanz- und Weltwirtschaftskrise ging in Berlin das Wort von einem neuen weltweiten Wirtschaftswunder um, einem sozialen Wirtschaftswunder und dem Durchbruch zu einer wirklich sozialen Marktwirtschaft auf weltweiter Ebene.

Die so sprachen waren alles andere als Spinner, sondern gestandene politische Vor- und Querdenker wie Heiner Geißler und Hans-Dietrich Genscher, Führungskräfte großer Unternehmen von Götz W. Werner über Allianz bis Solar-Fabrik, Studenten von Wirtschaftselitehochschulen ebenso wie radikale Globalisierungskritiker. Sie eint die Hoffnung auf die revolutionären evolutionären Kräfte von Social Business. Als Social Business definierte dessen Erfinder Muhammad Yunus beim Vision Summit Unternehmen, die allein dazu gegründet werden, ein gesellschaftliches Problem zu lösen. Bei diesen steht nicht Profitmaximierung im Vordergrund, sondern Maximierung gesellschaftlichen Nutzens. Social Businesses sollen eindeutig wirtschaftlich arbeiten, aber der Gewinn soll ganz oder weit überwiegend im Unternehmen verbleiben zur Ausweitung des sozialen Zweckes.

Franz Alt sprach bei seiner Einführung zum Vision Summit von der ökosozialen Tagesschau, die eigentlich jeden Tag am Anfang jeder Nachrichtensendung stehen müsste mit Meldungen wie dieser: Auch heute sind wieder 30.000 Kinder verhungert. Auch heute sind wieder Dutzende von Arten unwiederbringlich ausgestorben... Der Vision Summit ließ jedoch gleichzeitig ein regelrechtes Feuerwerk an handfesten "Good News" sichtbar werden, die ebenfalls in unsere täglichen Nachrichten gehören: Nachrichten aus der Welt der intelligenten Verknüpfung von Wirtschaft und Sozialem, aus der Welt des Social Business.

Die vielleicht spektakulärste Nachricht aus dieser neuen Welt der Hoffnung auf eine ökonomisch-sozial-versöhnte Zukunft könnte diese Überschrift tragen: "Eine radikal andere Bankenwelt hat bereits mehr als 600 Millionen Menschen aus der Armutsfalle geführt." Friedensnobelpreisträger Yunus erläuterte beim Vision Summit, wie er die Bankenwelt buchstäblich auf den Kopf stellte: Während die Großbanken der Welt auf die Reichen setzen, setzt seine Grameen Bank auf die Ärmsten als beste Antriebskräfte eines sehr realen und zugleich höchst sinnvollen Wachstums. Mit diesem radikalen Kontrastprogramm räumt Yunus nicht nur im weiten Feld brennender sozialer Probleme so gut und effektiv auf wie niemand sonst in der Welt. Selbst in ökonomischer Hinsicht punktet er inzwischen die ?normale? Bankenwelt immer mehr aus: Seine verrückt erscheinende Bank hat die besten Rückzahlungsquoten aller Banken weltweit. Seine Bank bleibt von der gegenwärtigen Bankenkrise verschont. Statt Sub-Prime-Krise gibt es bei ihm Sub-Sub-Sub-Prime-Boom. Und selbst dies: Wer sein Geld heute sicher anliegen will, tendiert immer mehr zur Investition in Mikrofinanzprogramme. Leopold Seiler vom größten Mikrofinanzfonds in Europa konnte hierzu beim Vision Summit erstaunliches berichten.

Über eine weitere Nachricht dieser so erfrischend neuen Art berichtete beim Vision Summit Emmanuel Faber, Chef eines Joint Ventures zwischen Grameen und dem Lebensmittelkonzern Danone. Deren Headline: "Grameen und Danone produzieren jetzt gemeinsam einen Joghurt für die Ärmsten: mit hoher Qualität, niedrigsten Preisen und ohne jegliche Gewinnaussicht für Danone".  Danone hat sich in diesem Social Joint Venture tatsächlich vertraglich dazu verpflichtet, sofort nach dem "Return on Invest" alle seine Anteile an die Ärmsten zu übergeben. Das Kalkül: Nur durch solche Social Joint Ventures kann ein international tätiger Konzern verstehen lernen, wie die heute noch nicht entwickelten, aber potentiell größten Märkte der Zukunft mit zwei Dritteln der Menschheit auch für ihre anderen Produkte entwickelt werden können. Der große Wasserkonzern Veolia folgte inzwischen dem Beispiel von Danone, ferner General Electric, und allein in Deutschland stehen derzeit bereits mehr als ein Dutzend global agiernder Unternehmen bei Yunus auf der Matte und verhandeln über ähnliche Social Joint Ventures.

Wie können sich gute soziale Projekte von traditionellen Hilfswerken zu funktionierenden Social Businesses weiterentwickeln? Dieser Frage war ein ganzer Tag des zweitägigen Vision Summit gewidmet. Die Stiftung Entrepreneurship des FU-Professors Günter Faltin, das Netzwerk um Prof. Stephan Breidenbach vom Projekt Humboldt-Viadrina School of Governance und insbesondere das jüngst gegründete GENISIS Institute for Social Business and Impact Strategies, das neun Unternehmer und Stifter ins Leben riefen das Hauptveranstalter des Vision Summit war, widmen sich unter anderem dieser Aufgabe. Das GENISIS-Institut stellte beim Vision Summit ferner eine erste Studie über die "Best Social Businesses" weltweit vor. Die Highlights daraus sind im "Social Business Guide" des GENISIS Instituts publiziert, der ebenfalls zum Vision Summit erschien.

Um unser Bild von den Armen radikal zu verändern, um sie auf gleiche Augenhöhe zu bringen und sie als millionenfach schon erfolgreiche UnternehmerInnen zu erkennen, stellten der Künstlerfotograf Roger Richter, der Autor Peter Spiegel und der Impulsgeber Hans Reitz den zweisprachigen Bildband "The Power of Dignity - Die Kraft der Würde" vor. Die Ausstellung dazu mit mehr als 30 großformatigen, tief bewegenden Bildern eröffnete Yunus persönlich. Ein weiteres Grundlagenbuch zu Social Business ist derzeit von Franz Alt und Peter Spiegel in Vorbereitung. Und auch für ein erstes Buch für Kinder unter dem Titel "Fragen an Yunus" fand das letzte Mosaiksteinchen beim Vision Summit statt: die Befragung von Yunus durch die Berliner Reformschule von Margret Rasfeld.

Das erst vor vier Monaten gegründete GENISIS Institut will nichts weniger als eine Gründungswelle von Social Businesses auslösen. Beim Vision Summit konnten schon mehrere solche Unternehmensgründungen präsentiert werden, die aus diesem Kreis hervorgingen:

- Der Good Growth Fund, initiiert von Michael Horbach, der im Jahr 2000 sein sehr erfolgreiches Finanzdienstleistungsunternehmen verkaufte und sich seither für eine humane Gestaltung der globalen Welt einsetzt.
- Die Social Business Management GmbH, initiiert von der im Roboting sehr erfolgreichen Unternehmerin Marianne Obermüller, die ihre Erfahrung gemeinsam mit einem Netzwerk nunmehr dafür einsetzt, dass innovative Ideen für eine bessere Welt auch wirtschaftlich funktionieren.
- Das Grameen Creative Lab, von Hans Reitz initiiert mit dem Ziel, große deutsche Unternehmen für Social Joint Ventures zu gewinnen.

Allen diesen Initiatoren gemeinsam ist, dass sie zugleich auch Mitgründer und Gesellschafter des GENISIS Instituts sind. Ferner initiierte GENISIS Arbeitskreise mit der Zielrichtung, eine Grameen Bank in Deutschland zu initiieren und eine Sozialbörse zu etablieren. All dies soll dazu beitragen, eine neue und neuartige soziale Bewegung auf den Weg zu bringen. Eine Bewegung, in der besonders für die Menschen und die Gesellschaft engagierte Unternehmer wie der diesjährige Vision-Award-Preisträger Dieter Reitmeyer ihren neuen starken Platz des gesellschaftlichen Wirkens finden ebenso wie die weiteren Vision-Award-Preisträger Rodrigo Baggio, Celso Grecco und Marcia Odell. Odell leitet das vielleicht erfolgreichste Bildungsprojekt in der Welt, Baggio das erfolgreichste Projekt, um IT-Kompetenz in die Slums Lateinamerikas zu bringen, und Grecco war der Gründer der ersten Sozialbörse in der Welt an der Bovespa in Brasilien.

"In jedem Menschen steckt ein Unternehmer" ist die Überzeugung von Günter Faltin. Muhammad Yunus würde dies sicher präzisieren zu "in jedem steckt ein Sozialunternehmer". Dies zu ermöglichen und zu erreichen ist Ziel des GENISIS Instituts.


GENISIS Institute for Social Business and Impact Strategies gemeinnützige GmbH, Palais am Festungsgraben, Am Festungsgraben 1, 10117 Berlin, Tel. 030-28506812, office(at)genisis-institute.org. www.genisis-institute.org