Nurjahan Begum – VISION AWARD '09 für die Grameen Frau der ersten Stunde
Nurjahan Begum hat die außergewöhnliche Entwicklung der Yunus'schen Grameen Bank von Anfang an miterlebt und mitgestaltet. Sie war eine von zwei Wirtschaftsstudentinnen, die Professor Yunus 1976 halfen, seine Idee von einer “Bank für die Armen” umzusetzen. Anstatt dem Wunsch ihrer Eltern nachzukommen und auf den für sie ausgewählten Ehemann zu warten, ließ sich Nurjahan Begum auf das waghalsige Projekt ihres Professors ein, im patriarchalisch geprägten Bangladesch ein Mikrokreditsystem zu etablieren, das überwiegend Frauen als Kreditnehmer gewinnen wollte. Der Erfolg hat ihrer Entscheidung recht gegeben. Mittlerweile ist sie eine von drei Geschäftsführerinnen der Grameen Bank, Leiterin des Trainingsprogramms und Direktorin von Grameen Shikkha, einem Bildungs- und Stipendiatenprogramm für Kinder. Sie steht repräsentativ für die Empanzipation und ein neues Selbstverständnis der Frauen in ihrer Heimat. Nurjahan Begum erhält den VISION AWARD '09 für ihr mutiges und visionäres Engagement für Grameen seit nunmehr 33 Jahren.
Die steinigen Anfänge der Erfolgsgeschichte
Als Muhammad Yunus in den Siebzigern mit der Idee aufkam, eine Bank für Arme zu gründen, die nicht auf der Grundlage von Verträgen, sondern auf der Grundlage von Vertrauen kleine Geldsummen an mittellose Frauen verleihen wollte, hielt man ihn für verrückt. Niemand glaubte, dass ohne Sicherheiten vergebene Kredite zurück gezahlt würden. Zudem gestaltete es sich schwierig, überhaupt Interessentinnen zu finden, da Frauen in Bangladesch nicht gelernt hatten, mit Geld umzugehen und außerdem oft Angst vor der Reaktion ihrer autoritären Ehemänner hatten. Trotz der widrigen Umstände war Nurjahan Begum von Anfang an begeistert von Yunus' Konzept und engagierte sich leidenschaftlich für dessen Umsetzung, sogar gegen den Willen ihrer Eltern, die sie lieber als fürsorgliche Ehefrau eines von ihnen ausgewählten Mannes gesehen hätten, wie es die Tradition in Bangladesch vorsieht.
Die Belohnung für das Engagement
Das Engagement entgegen aller Widerstände hat sich gelohnt. Die Grameen Bank, mit Begum als einer der drei Geschäftsführerinnen, ist heute die erfolgreichste Mikrokreditinstitution der Welt und hat Millionen Menschen aus der Armutsfalle befreit. Sie expandiert international und hat sogar eine Filiale in New York eröffnet. Die Rücklaufquote liegt bei 98 Prozent und die Emanzipation der Frauen in Bangladesch ist durch die Möglichkeit zur Entfaltung ihrer unternehmerischen Fähigkeiten und ihrer Selbstständigkeit aufgrund der bereitgestellten Kredite enorm vorangeschritten. Die Grameen Bank wurde zur Grameen Unternehmensfamilie ausgebaut, es wurden zahlreiche Grameen Unternehmen und Social Joint Ventures zur Lösung von gesellschaftlichen Problemen in spezifischen Bereichen gegründet. In ihrer 33-jährigen Karriere bei Grameen hat Begum viele von ihnen als Leiterin durchlaufen, so etwa Grameen Trust, Grameen Knitwear, Grameen Welfare, Grameen Agricultural Foundation etc.
Das aktuelle Projekt der Social Business Pionierin
Nurjahan Begum leitet heute neben der Grameen Bank noch Grameen Shikka, ein intelligentes Stipendiaten-Programm zur nachhaltigen Bildungsförderung armer Kinder in Bangladesch. Ein Darlehensgeber aus einem westlichen Land legt einen Betrag von mindestens 500 Euro bei der Grameen Bank an und übernimmt damit die Patenschaft für die Ausbildung eines Kindes in Bangladesch, denn die gesamte Verzinsung des Geldes mit 6% jährlich kommt dem Kind zu Gute. Die Investition wird nach Ende der Laufzeit vollständig zurückbezahlt, somit ist das Geld keine Spende und kann erneut eingesetzt werden - ganz im Sinne des auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Social Business Gedankens.









